Erinnerung und "Verdrängung"

Das Konzept der Verdrängung wird vor allem mit Sigmund Freud (1856–1939) in Verbindung gebracht, der es in der Tat ausgestaltet, aber den Begriff seinerseits lediglich übernommen hat. Freud ging davon aus, daß der Psyche mit der "Verdrängung" ein Abwehrmechanismus zur Verfügung steht, der es gestattet, als bedrohlich empfundene Sachverhalte oder Gedanken von der bewußten Wahrnehmung auszuschließen, indem diese vergessen und so dem Bewußtsein entzogen werden; im Zuge der psychoanalytischen Behandlung sollen diese nach Freud hervorgeholt werden können. – Jahrzehntelange Forschung belegt mittlerweile, daß das Gegenteil der Fall ist: Die Erinnerung etwa an ein traumatisches Erlebnis wird in der Regel keineswegs vergessen, sondern vielmehr besonders gut im Gedächtnis behalten (wie sich etwa im Falle einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeigt, bei der das Leid eben daraus erwächst, daß sich das traumatische Ereignis gerade immer wieder in den Vordergrund drängt); physiologisch wird dies damit begründet, daß unter (kurzzeitigem) Streß Hormonausschüttungen erfolgen, die die Langzeiterinnerung fördern. Dieser Mechanismus ist überdies auch aus entwicklungsbiologischer Sicht sinnvoll und wichtig, denn wenn ein Mensch durch Verdrängung die Erinnerung an eine gefahrvolle Situation verliert, nimmt er sich die Möglichkeit, bei einem ähnlichen Bedrohungsfall künftig angemessen zu reagieren. – Gegenüber "Erinnerungen", die erst in psychotherapeutischen Sitzungen "wieder hervorgeholt" werden, ist vielmehr größte Skepsis angebracht: Meist handelt es sich um sogenannte False memories, also bloße Scheinerinnerungen. (hdfm75ff)


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